Aufforderung zur Reha? – Musst Du nicht akzeptieren!

22. März 2019

Reha! Das ist auch so ein Begriff, den ich irgendwann so gar nicht mehr hören konnte. Vielleicht wirst Du von Deiner Krankenkasse zur Reha aufgefordert. Spätestens aber wenn Du die Erwerbsminderungsrente beantragst, kommt das Thema wohl auf den Tisch. Denn da gibt es den Grundsatz: Reha vor Rente.

Bevor Dir also eine Rente zugesprochen wird, prüft die Deutsche Rentenversicherung normalerweise immer erst, ob sich Dein gesundheitlicher Zustand durch eine Reha verbessern lässt und Deine Erwerbsfähigkeit dadurch wiederhergestellt werden kann.

Eine grundlose Verweigerung der Reha kann natürlich dazu führen, dass Du Deine Rente nicht bekommst – schließlich hast Du eine Mitwirkungspflicht. Aber mit ME/CFS kannst Du einer Reha-Aufforderung trotzdem widersprechen, denn:

Für ME/CFS gibt es momentan keine zugelassene Therapie, um die Krankheit zu heilen

Das heißt: Natürlich kannst Du eine Reha machen, wenn Du magst. Aber sie wird Dich nicht gesund machen. Im schlimmsten Fall verschlechtert sich Dein Zustand sogar noch, falls die Ärzte der Reha-Einrichtung nicht mit dem Krankheitsbild vertraut sind und Dich zum Beispiel zum Sportprogramm auffordern.

Der Niederländische Gesundheitsrat hat im März 2018 einen neuen Bericht zu ME/CFS veröffentlicht. Darin erkennt er nicht nur an, dass es sich bei ME/CFS um eine ernsthafte, chronische Multisystem-Erkrankung handelt, sondern empfiehlt auch, dass eine individuelle Ablehnung von Therapien wie GET (ansteigendes Training) oder kognitive Verhaltenstherapie, keinen Einfluss auf den Anspruch von Versicherungsleistungen haben sollte.

In Deutschland wurde solch ein Bericht von Seiten der Politik leider noch nicht herausgegeben, aber im Prinzip kannst Du auch hier einer Behandlungsaufforderung von Behörden und Ämtern entgehen, denn:

Die Leitlinie "Müdigkeit" der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) spielt seit Mai 2018 für die Behandlung und Therapie von ME/CFS keine Rolle mehr!

So eine Leitlinie dient Ärzten als Leitfaden für Diagnostik und Therapie. Die bisherigen Behandlungsempfehlungen der DEGAM zu ME/CFS waren sehr veraltet und haben nicht dem aktuellen Stand der Forschung entsprochen. Durch den Einsatz einiger Patientenorganisationen und der Beschwerde der Deutschen Gesellschaft für ME/CFS bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) wurde die Leitlinie nun verändert und so weit entwertet, dass sich Ärzte und Gutachter nicht mehr auf sie stützen können. Wörtlich heißt es im Text der Leitlinie: Die Literaturauswahl zu ME/CFS sei "selektiv" und die Autorinnen und Autoren verzichteten auf eine "Leitlinie im engeren Sinne". Zusammengefasst bedeutet das für Dich:

Behörden oder Ämter können Dich mit ME/CFS nicht mehr zu Aktivierungs- oder Psychotherapien nötigen und Dir bei Verweigerung damit drohen, die Sozialleistungen zu kürzen oder komplett zu entziehen!

Wenn Du Dich nochmal in Ruhe über die Leitlinien-Thematik und deren Hintergründe informieren willst: Im Buch "ME/CFS erkennen und verstehen“* erklärt Sibylle Reith das Thema sehr ausführlich und verständlich.

Was mache ich jetzt aber genau, wenn ich zur Reha aufgefordert werde?

Also ich habe mir immer erst einmal erklären lassen, wieso ich eine Reha machen soll – und dann habe ich widersprochen. Es hat zwei Mal funktioniert – und das sogar noch vor der aktualisierten Leitlinie!

Das erste Mal wurde ich von der Krankenkasse zur Reha aufgefordert. Ich hatte meiner damaligen Ansprechpartnerin am Telefon erklärt, dass ich keine Reha machen möchte, weil ich darin keinen Sinn sähe. Es bestünde die Gefahr, dass ich kränker rauskomme, als reingehe. Sie war sehr engagiert, konnte meine Bedenken nachvollziehen und hatte daraufhin dafür gesorgt, dass die Aufforderung fallen gelassen wurde. Sie begründete es damals damit, dass ich ja bereits meine Rente beantragt hätte. Dadurch war ich in den Zuständigkeitsbereich der Deutschen Rentenversicherung gefallen – der Krankenkasse war es dann also auch mehr oder weniger egal, wie es bei mir weitergeht. Sie waren ja nicht mehr zuständig. Deshalb mein Tipp:

Wenn die Krankenkasse mit der Reha-Aufforderung kommt und Du davon ausgehen musst, dass sich Deine Gesundheit durch eine Reha nicht verbessert, sondern die Gefahr besteht, dass sie sich sogar verschlechtert, dann lehne die Reha ab – notfalls vielleicht sogar durch die Beantragung einer Rente. (Letzteres natürlich nur, wenn Du die Rente aus gesundheitlichen Gründen sowieso beantragen musst).

Einfach mal Widerspruch einlegen ...

Genau das habe ich getan, als ich von der Deutschen Rentenversicherung zur Reha aufgefordert wurde. Komischerweise wurde ich aber nicht bei der erstmaligen Beantragung der Erwerbsminderungsrente zur Reha aufgefordert, sondern erst bei der zweiten Verlängerung. Ich habe nicht wirklich verstanden, warum ich nach drei Jahren auf einmal eine Reha machen soll. Die Sachbearbeiterin konnte mir dazu nichts sagen. Also habe ich einfach mal schriftlich gegen die Reha-Aufforderung widersprochen.

So und jetzt wird's mal kurz crazy: Der Widerspruch wurde erst einmal abgelehnt. Aber nicht wegen des Inhalts (der wurde zuerst gar nicht berücksichtigt), sondern weil ich gegen die Aufforderung zur Reha rein rechtlich keinen Widerspruch hätte einlegen dürfen. Das war sozusagen ein Formfehler meinerseits. Die Mitarbeiterin der Rentenversicherung hat mir erklärt: Sobald das Wort "Widerspruch" in einem Schreiben auftaucht, wird es automatisch erst einmal in die Rechtsabteilung weitergeleitet, anstatt - wie in meinem Fall - an die zuständige Sachbearbeiterin und den Medizinischen Dienst. Das sei oft unsinnig und koste viel Zeit, aber so würde das nun mal ablaufen. Deshalb kurzer Hinweis für Dich: Keine Panik, falls Dein Widerspruch erst einmal abgelehnt wird, das ist in diesem Fall "normal". (Du schüttelst jetzt vielleicht auch ungläubig den Kopf ... ja, das ist Deutschland. ;-))

Erst im Anschluss wurde mein Widerspruch dann an den Medizinischen Dienst weitergeleitet, der den Inhalt geprüft hat. Und daraufhin wurde dann meine Rente ohne Reha verlängert. Das ganze Verfahren hat sich durch diese verrückte Bürokratie über Monate hingezogen. Erst einen Tag, bevor meine Rente auslief, habe ich den Verlängerungsbescheid bekommen. Wenn Du Dir diesen Stress ersparen möchtest, dann vermeide in Deinem Schreiben also vielleicht besser das Wort "Widerspruch" und nutze stattdessen "Stellungnahme" oder "Ablehnung der Reha-Aufforderung". Falls es jemand ausprobiert, freue ich mich über eine Rückmeldung, wie es gelaufen ist. ;-)

Was sollte in so einem Widerspruch drin stehen?

Pauschal kann ich Dir das natürlich nicht sagen, denn jeder Fall ist individuell. Allgemein ist es beim Widerspruch aber einfach wichtig, nochmal kurz das Krankheitsbild ME/CFS zu erklären – insbesondere die Zustandsverschlechterung nach Belastung (PEM). Außerdem solltest Du darauf hinweisen, dass es für ME/CFS momentan keine zugelassene Behandlung oder Therapie gibt und dass die Gefahr besteht, dass sich Dein gesundheitlicher Zustand durch eine Reha verschlechtert. Als Anhaltspunkt hier mal mein Reha-Widerspruch.

Den Widerspruch würde ich immer schriftlich einlegen und dann per Einschreiben einschicken. Oder Du gibst ihn persönlich ab und lässt Dir den Empfang quittieren. Und achte unbedingt auf mögliche Fristen.

Ja, Widersprüche schreiben ist wahrscheinlich nicht gerade Deine Lieblingsbeschäftigung. Lass Dich dabei vom VDK oder einem fachkundigen Anwalt unterstützen. Und denke immer daran: Es geht um Dich, Deine Gesundheit und Dein Leben!

Keep Going!

Deine Kathi


*Bei diesem Link handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Das heißt: Wenn Du das Produkt über den Link bestellst, bekomme ich eine kleine Provision. Für Dich ändert sich dadurch nichts am Preis. Mein Versprechen an Dich: Ich empfehle nur Produkte, hinter denen ich voll und ganz stehe und das Geld nutze ich für den Ausbau der CFS-Ladestation. Wenn Du anderweitig bestellen magst, auch kein Ding. Ansonsten freue ich mich und sage Danke!

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