Kat meets Kiwi - Mein Neuseeland-Reisetagebuch

Du möchtest wissen, wie ich mit ME/CFS durch Neuseeland gereist bin? Mein Reise-Tagebuch nimmt Dich nochmal mit auf mein Neuseeland-Abenteuer. Damals habe ich einen kleinen privaten Reise-Blog gestartet. Zum Schutz der Privatsphäre habe ich Namen von Personen abgeändert und private Textpassagen über Freunde und Familienangehörigen herausgenommen. Ansonsten bekommst Du 100 Prozent Paradies und Fernweh geliefert! Have fun! =)

#1 - Ab ins Abenteuer!

14.Februar 2017

Nach monatelangen Vorbereitungen war es am Valentinstag soweit: Mein Start ins Kiwi-Abenteuer! Am Flughafen ging´s für mich mit dem "Behindi-Express" zum Airbus A380! (Die Jungs bekommen jetzt sicher Puls, für mich war es einfach nur ein großer Flieger ;-)). Rund 11 Stunden Flug nach Shanghai neben einem chronisch-nasebohrenden Sitznachbarn, dann schuckelte mich ein sehr wortkarger Asiate mit dem Rollstuhl zum nächsten Flieger, wieder rund 11 Stunden Flug mit Kindergeschrei, Schmerzen, viel grünen Bohnen, wenig Schlaf (dafür aber netten Sitznachbarn), nochmal Rolli, Hotel, völlig durch! Die Anreise nach Auckland war echt kein Spaß und ich habe mich kurz gefragt, ob das alles so eine gute Idee war. Die nächsten 24 Stunden lag ich, bevor es am nächsten Tag nochmal mit dem Flieger auf die Südinsel nach Queenstown ging. Hier wurde ich dann bei der Ankunft aber schon mal etwas belohnt: 24 Grad, strahlender Sonnenschein, gewaltige Berge, awesome! =)

Kathi´s Erkenntnis des Tages:

Menschen im Rollstuhl gelten offensichtlich automatisch als querschnittsgelähmt. Aber freut mich, dass ich einige Mitreisende positiv überraschen konnte. Die Gesichter und Kommentare - unbezahlbar!

#2 - Summer in the city!

20. Februar 2017

Nach meiner Ankunft in Queenstown ging´s am Abend in den Supermarkt. Hab ich mich auf ne Kiwi gefreut. Es gab auch viele, aber wo kamen sie her: aus ITALIEN!! Whaaat? Und der angeblich neuseeländische Tee wurde in Deutschland zusammengemischt. Hallo? Dafür reise ich um die halbe Welt??? =) Nunja, das Bombenwetter hat die Sache dann wieder etwas grade gebogen. Sonne von morgens bis abends! Und habe ich schon die aktuellen 26 Grad erwähnt? ;-) Ansonsten sind die Leute hier unfassbar nett. Ein Busfahrer hat für mich seine Route geändert und mich noch dazu kostenlos mitgenommen. Von der Stadt selbst habe ich leider nicht so viel gesehen. Schade, denn da ist richtig was los. Hier kommen viele Adrenalin-Junkies her zum Bungee Jumping, Rafting oder Fallschirmspringen. Ich habe nach der fiesen Anreise drei Tage hardcore-bed-resting betrieben, um dann zumindest einmal so richtig action zu erleben: Ne Fahrt mit der Gondel auf ne Aussichtsplattform! Jaa, auch lahme Schnecken wie ich bekommen was geboten. :-) Hatte dann auch noch Glück, dass direkt neben meinem Hotel der schnuckelige Wochenmarkt stattgefunden hat. Und bei Essen bin ich ja ein leichtes Opfer, habe mir geräucherten Lachs andrehen lassen. Der war sowas von yummy! Hammer! So, jetzt aber genug gequatscht, die Reise geht weiter. Auf mich warten Mietwagen, Automatik und Linksverkehr….das wird sicher ein Spaß! ;-)

Kathi´s Erkenntnis des Tages:

Neuseelands Brotaufstrich Nummer 1 - Marmite - sieht aus wie flüssiger Teer, riecht nach Sojasauce und schmeckt wie Schuhcreme. Delicious!

#3 - On the Road with Bert

23. Februar 2017

Dienstagmorgen habe ich meinen neuen Reisebegleiter abgeholt: Ich darf euch Bert vorstellen (bitte englisch aussprechen)! Der kleine silber Flitzer macht ab sofort mit mir die Straßen unsicher. Der erste Fahrversuch war grandios: Auf dem Parkplatz von Hertz war ich kurz als Geisterfahrer unterwegs und bei der ersten Bremsung (ich habe die imaginäre Kupplung getreten) hat mein Rucksack vom Beifahrersitz die Rolle vorwärts gemacht. =) Ich sage mal ausbaufähig, aber Bert und ich kamen dann doch sicher in Cromwell an. Früher war Cromwell mal eine Goldgräberstadt, heute ist es ein kleines Örtchen, aber mit viel Flair und super schön am Kawarau river gelegen. Bert und ich haben da gleich mal ne Chill-Runde eingelegt. Meine B&B-Unterkunft war top. Zum Frühstück gab´s alles was das Kathi-Herz begehrt – inklusive klassischer Musik und guter Unterhaltung von Gastgeber James. Dann ging´s back on the road. Und weil so ein Roadtrip ohne Musik ja kein Roadtrip ist, hab ich die 90er Hits ausgepackt. Mit Coco Jambo und „Bailandoooo Bailando“ fuhr es sich fast von allein, vorbei an riesigen Bergen, weiten Tälern und bunten Blümchen. Die Schafe auf der Straße waren von meiner Sing-Performance wenig beeindruckt. Gab ein paar gelangweilte määähs und viele Köttel auf der Straße. =) Ziel war dann Omarama. Ein ziemlich verschlafenes Nest. Die "Hot Tubs" sind sehr empfehlenswert. Relaxen in blubberndem Quellwasser mit ner wahnsinns Aussicht. Nice! =)

Kathis Erkenntnis des Tages:

  • Neuseelands "Bettdecken" und ich werden keine Freunde mehr. Da werden zwei Bettlaken, eine riesen Decke und zwei Inletts ganz komisch ineinander gefaltet. Jeden Abend werde ich wahnsinnig und drösel das Zeug auseinander. Warum nicht einfach eine Decke? Ich glaube, ich verstehe das System nicht.

#4 - Am Ziel!

25. Februar 2017

Auf diesen Halt habe ich mich am meisten gefreut: Drei Tage Lake Tekapo – mein heimliches Ziel in Neuseeland. Seit über einem Jahr hängt ein großes Glasbild von diesem wunderschönen See daheim in meinem Wohnzimmer. Es hat mich vor allem an den "bad days" und beim schier endlosen Bürokratie-Wahnsinn immer wieder motiviert durchzuhalten. Fast täglich habe ich mir gesagt: "Irgendwann sitze ich da mit meiner neuseeländischen Limo und denke mir, ihr könnt mich alle mal!“ Und genau so war es, inklusive Sonnenbrand! =) Ich kann es immer noch nicht so ganz glauben. Jetzt kann kommen was will, mir egal, ich war hier! Ansonsten habe ich am ersten Tag Maja getroffen, eine Deutsche. (Es vergeht kein einziger Tag ohne Deutsche!) Abends haben wir uns zum Sonnenuntergang am See getroffen. Und dann war da dieser unglaubliche Sternenhimmel mit Sternschnuppen. Wow, sowas habe ich selten gesehen. AMAZING! =) Der andere Abend war dann weniger amazing. War schon im Bett mit Laptop und sehe im Schatten was krabbeln. Licht an, Schockstarre, Puls. Da saß doch echt so eine eklig große Kellerspinne auf meinem Bett! Waaaah! Ich habe versucht nicht zu hyperventilieren und habe gehofft, sie löst sich einfach auf. Hat sie nicht. Mich hat´s echt geschüttelt. Nachdem schreiend rauslaufen keine Option war, habe ich den Zipper-Beutel gepackt, über die Spinne gestülpt und sie ruhig atmend nach draußen befördert. Man war ich stolz auf mich. Tja, bis ich das nächste Exemplar entdeckt habe!!! Spider 2 krabbelte an der Bodenleiste entlang und bei meinem Annäherungsversuch fing sie echt das Springen an. Ihr Fehler. Da gab es nur noch sie oder ich. Sorry Spinne, R.I.P.! :-D Habe im Anschluss das ganze Zimmer mit der Taschenlampe abgesucht und gelüftet wird jetzt nur noch unter Aufsicht. Geh nach Neuseeland, haben sie gesagt, da gibt es keine giftigen Tierchen… von Spinnen im Bett hat aber keiner was gesagt!!! Das kann im Camper ja noch heiter werden. =)
So, bald geht es wieder on the road und heute ist nochmal Ladestation angesagt, denn ich habe Kopf, Hals und klinge wie ein Reibeisen. Aber alles noch im grünen Bereich.

Kathi´s Erkenntnis des Tages:

  • Just happy! Lake Tekapo war der Hammer! =)

#5 - Und am Ende der Straße …

28. Februar 2017

… steht mein Haus am See. Ich bin für zwei Tage in einer märchenhaften Film-Kulisse gelandet, total surreal! Mein kleines Cottage ist ein Traum. Es gehört zum Landgut Coniston in Ashburton. Sogar Queen Elisabeth II. hat diesen magic place schon mal besucht. Überall Seen, Bäche und schöne Blumen. Kleine verwunschene Wege und Brücken führen zum Haupthaus, einer kleinen schnuckeligen Kirche und einer Oldtimer-Garage. Hier hat mir Hausherr George seinen Fuhrpark gezeigt. Sein ganzer Stolz ist ein Nachbau des ersten Autos überhaupt: Ein Benz von 1886! Seine Frau Sophia hat mich dann mit auf die Weide genommen, dort habe ich ein kleines sabberndes Kälbchen mit der Milchflasche ziemlich glücklich gemacht. Und dann gab´s für mich noch einen Dreiwochenvorrat an Pflaumen und Pfirsichen aus dem Garten. Die Neuseeländer nehmen irgendwelche Drogen, die sind alle sowas von entspannt und gut drauf! Die Rückkehr wird ein Kulturschock. Mir graut´s schon jetzt vor dem ersten Einkauf im Kupsch, wenn die Kassiererin ein genervtes "neun fuffizich" rauspresst. Ich fordere für alle Franken verpflichtende Freundlichkeits-Workshops in Neuseeland! =)

So, muss mich wieder hinlegen und Akku laden, die Erkältung macht mich aktuell leider echt fertig. Ich inhaliere sogar schon (garen im eigenen Saft - I hate it!). Gute Nacht! =)

Kathi´s Erkenntnis des Tages:

  • In so einem Schaukelstuhl kann man wunderbar seinen Tag verbringen, echt relaxing. Brauche ich daheim. Und einen See. Mal schauen, was der Vermieter sagt. Oder bleibe ich einfach hier?

#6 - Achtung, Baustelle!

2. März 2017

Ich habe noch nie so viele orange Baustellenhütchen gesehen wie in Christchurch. Überall Straßensperrungen, Bauarbeiten, Ruinen. Baulärm den ganzen Tag. Man hat den Eindruck, dass die Zeit seit dem Erdbeben vor sechs Jahren einfach stehen geblieben ist. Bert und ich hatten eine abenteuerliche Anreise. Die “Fahrbahnen” waren wild durch Hütchen abgesteckt. War ein bisschen wie bei Mario Kart: Ausweichen, Gas geben und dann aufpassen, dass man nicht abgeschossen wird. Musste leider den ersten Tag gesundheitsbedingt im Bett verbringen, aber am zweiten ging´s dann mal raus. Hab kurz ins Canterbury Museum reingeschaut. Da gab´s viel zur Geschichte Neuseelands, Dinos, Maori, aber auch Vögel und Krabbel-Tierchen (die kenne ich ja schon gut genug, konnte ich weggelassen ;-)). War echt richtig cool gemacht und alles für lau. Und dann hab ich mich mit nem Mango-Eis in die Sonne gefläzt und Mr. Guitar gelauscht. Es war echt schön bis der harte Cut kam: „Rita, jetzt schaut doch emal her in die Kamera!“ Schon wieder diese Deutschen, die sind überall. Diesmal war es zumindest die eher seltene Gattung der Rentner, natürlich stilecht in modischen Sandalen! =) Beamt mich bitte jemand zurück in mein Haus am See?! :-D Bald bin ich hoffentlich wieder irgendwo im Nirgendwo und habe nette Neuseeländer um mich rum. Heute musste ich mich übrigens von Bert verabschieden. Morgen geht´s nämlich mit dem Campervan weiter. Ab dann gibt es auch keinen Plan mehr, ich schaue einfach, wohin es mich weht. =) Erkältung ist übrigens so gut wie durch. Endlich.

Kathi´s Erkenntnis des Tages:

  • Hier gibt es nicht nur Kellerspinnen, sondern auch nette Tausendfüßler. Diesmal nicht im Bett, "nur“ nebenan, die Wand hoch krabbelnd. Ich glaube, Australien wird kein Reiseziel für mich!

#7 - Meer in Sicht!

8. März 2017

Er ist sehr bequem, sieht gut aus, zickt aber auch gerne mal rum – Campervan Dean ist für die nächsten Wochen mein rollendes Zuhause. Laut Vermieter heißt er ja eigentlich "Sapphire". Euer ernst?? Also, das ist ganz klar ein Dean. Als Camper-Frischling sind mir die Abläufe ja noch so überhaupt nicht geläufig: Abwassertank, freaky elektrische Auto-Fernbedienung und dann diese Auszieh-Bett-Konstruktion. Das hat mich die ersten zwei Tage ziemlich Nerven und Akku gekostet. War fix und fertig. Aber so langsam grooven wir uns ein. Die Alarmanlage funktioniert auf jeden Fall super, davon konnten sich auch die anderen Camper überzeugen. Höhö =). Ich bin nach einem Übernachtungs-Stop in Kairaki (mit Fish&Chips am Strand) in Kaikoura gelandet. Das Örtchen liegt super schön am Meer und ist bekannt für sein Whale-Watching und Schwimmen mit Delfinen. Das war bei mir leider nicht drin. Aber ich habe Seelöwen gesehen, Muscheln gesammelt, mich gesonnt und so einige Leute auf den Campingplätzen kennengelernt. Ansonsten habe ich mich mit Essen eingedeckt und versuche die Campingabläufe zu optimieren. Die Toiletten sind oft leider sehr weit weg. Bin einmal echt mit dem Camper hin gefahren! =) Zwei Jungs aus Hamburg ist meine Klofahrt nicht entgangen. Sie waren etwas irritiert. Ich habe die Sache dann aufgeklärt und vorgeschlagen, dass sie mich das nächste Mal einfach vortragen. Fanden sie lustig, laufen musste ich dann trotzdem wieder. ;-) Aktuell campe ich mit Dean in Nelson. Musste nen riesen Umweg fahren. Eigentlich wollte ich 150km an der Ostküste am Meer entlang bis zur Spitze der Südinsel, wo die Fähre auf mich wartet. Aber durch das Erdbeben im November ist die einzige Straße gesperrt. Umleitung: 450km quer durchs Land! Sauber. P.S. WLAN ist hier überall sehr dürftig. Es kann zu Verzögerungen bei den Blogeinträgen kommen. ;-)

Kathi´s Erkenntnis des Tages:

  • Björn, 18, fragt mich: Und wo kommen SIE her? …. Hat er das wirklich gesagt? Zu mir? Auf dem Campingplatz? Der Rentnerstatus scheint abzufärben. Hilfe, ich bin alt!

#8 - Soul-Baumeling in the sun =)

10 März 2017

Meer, Strand, Sonne – was macht man da am besten? Genau, nichts! Ein bisschen lesen, Musik hören, an den Strand legen und zuschauen wie die Sonne untergeht. Es waren drei wundervoll entspannte Tage in Nelson. Naja fast. Habe Dean kurz mal mit einem geplatzten Kanister unter Wasser gesetzt. Lief richtig schön quer durchs Auto. Habe ohne nachzudenken Handtücher und T-Shirts in “den See” geschmissen und hatte die Sache dadurch echt schnell im Griff. Easy! =) Dann ging es wieder on the road, natürlich nicht ohne meinen "Decaf Latte small single shot without sugar for takeaway – please!" =) Die Kiwis amüsieren sich immer prächtig bei meiner Bestellung. Der Verkäufer meinte nur: "Soy, rice or almond milk? Flavour? Lactose-free? Cream? Brown Sugar? Or maybe just a water??“ Also, als hätte ich mich nicht ganz klar ausgedrückt “NO sugar!“ :-D Wir hatten viel Spaß und ich bekam noch einen lecker schmecker Chock-Cranberry-Cookie. Jetzt sitze ich in einer relativ einsamen Bucht in den Malborough Sounds und genieße bei Grillenzirpen die Ruhe, das Meer und meinen echt guten Decaf Latte! =) Noch eine Übernachtung auf dem Campingplatz, dann geht es mit der Fähre auf die Nordinsel. Und es soll doch tatsächlich die nächsten vier Tage so etwas wie regnen?! ! Also, Laptop weg und nochmal Sonne tanken. =)

Kathis Erkenntnis des Tages:

  • Nach drei Wochen neuseeländischem (Toast) Brot habe ich es nicht mehr ausgehalten und habe "The swedish bakery" besucht. Die Verkäuferin meinte nur: "German? Take this one, you will love it!“ Roggenbrot! She made my day! Deutsches Brot – I miss you!

#9 - Eine Seefahrt, die ist lustig…NOT!

13. März 2017

Die letzte Übernachtung auf der Südinsel in der Momorangi Bay war wirklich schön. Saß mit einer sehr erfrischenden Lime-Kokosnuss-Limo am Wasser und habe die Oystercatcher am Strand bei ihrer Muscheljagd beobachtet. Und wieder strahlender Sonnenschein, habe schön Farbe bekommen. Das Modell Schnee-Eule ist nun endgültig passé! =) Etwas genervt haben dabei allerdings die Sandflies. Diese Plagegeister sehen aus wie Obstfliegen, sind aber echt aggressiv und die Stiche jucken jetzt zwei Tage später erst so richtig gut. Selbst Insektenspray hat nix gebracht, meine Füße sehen aus wie Streuselkuchen. Am Samstag (11.03.) ging es dann mit der Fähre von Picton nach Wellington auf die Nordinsel. Es hat geschüttet wie aus Eimern. Sehen konnte man bei der Fahrt also nicht viel, dafür hat sich der ein oder andere ein Kotze-Tütchen geholt. =) Gab ordentlich Wellengang. Ich habe meine Cheese-Macaroni drin behalten, die waren nämlich echt lecker und außerdem bezahlt. ;-) War dann aber wirklich froh als wir nach dreieinhalb Stunden ankamen. Habe eine unspektakuläre Nacht auf einem Camping-Platz verbracht und sitze jetzt ziemlich abgelegen in einem sehr gemütlichen Baumhaus. Hier werde ich eine Nacht bleiben und dann schaue ich, wohin die Reise weiter geht. =)

Kathis Erkenntnis des Tages:

Es gibt sie wirklich: Fauchende Insekten. Musste eine Schabe vom Fliegengitter am Auto entfernen. Kann auch ein Käfer gewesen sein, nagelt mich nicht fest. Für detaillierte Betrachtungen hat mir die Ruhe gefehlt. Es war echt groß und hat beim Wegschnippen gefaucht. Bah, war das eklig!

#10 - Ahoi!

17. März 2017

Ich bin am Lake Taupo gestrandet. Ein wirklich riesiger See, der durch den Ausbruch des Tongariro-Vulkans entstanden ist - der "Schicksalsberg" aus "Herr der Ringe"! Ihr seht ihn ganz klein im Hintergrund auf den Fotos vom Boot-Shooting mit Kiwi-Kat :) Ja, habe nen Bötchen-Trip gemacht. War super und die Leute waren sehr gut drauf. Und ansonsten hänge ich gerade fast jeden Abend in einem Thermal-Pool ab. Hier gibt es überall heiße Quellen und nach so nem anstregenden Tag mit m&m´s beim Lesen in der Sonne ist das für Oma Kathi genau das Richtige zum Runterkommen. ;-) Die Campingplätze liegen hier aber auch echt sehr ruhig und abgelegen in der Natur. Ich werde ja immer mal wieder gefragt, ob ich wirklich ganz alleine unterwegs bin und ob das nicht unsicher wäre so alleine im Camper. Ich frage mich ja, was bei zwei Leuten im Camper sicherer sein soll?! Geht da der Einbrecher dann wieder? Also, ihr braucht euch keine Sorgen machen, denn 1. wissen wir, dass Dean sehr laut werden kann und 2. habe ich ein australisches Olivenöl-Spray geschenkt bekommen. Klingt harmlos, ist es aber nicht. Stehen überall Warnhinweise drauf und ja, auf der Dose ist so ein Druck drauf, damit schießt du jedes Steak vom Grill. :-D Bam! Wer braucht da noch Pfefferspray? Ich bin totally safe ;-). Ich denke aber nicht, dass ich es jemals brauchen werde. Kann dieses Land jedem weiterempfehlen, gerade auch als Alleinreisender. Super sicher, super nice! =)

Kathis Erkenntnis des Tages:

  • Meine m&m´s sind leer. Shit.

#11 - Mieeef!

21. März 2017

Hab vor zwei Tagen in Rotorua vorbeigeschaut - eine Vulkan-Gegend. Da gibt´s viele blubbernde Schlammlöcher, heiße Quellen und es liegt ein Duft von faulen Eiern in der Luft. Herrlich! =). War trotzdem wirklich beeindruckend. Dann ging´s nach Bowentown direkt ans Meer bei bestem Beach-Wetter. Ein Kiwi hat mich hier spontan auf seine Farm eingeladen. Das wäre meine Chance gewesen, endlich mal eine Kuh zu melken!! Liegt aber leider gar nicht auf meinem Weg und dann habe ich mitbekommen, dass er an der etwas schrägen Ü50-Single-Party auf dem Campingplatz teilgenommen hat. Er hat ja nur einen Freund begleitet. Klar! ;-) War nix für ihn dabei, meinte er und eigentlich hätte er eh viel lieber eine Frau aus Europa, die seien einfach viel hübscher und besser als die Kiwi-Frauen. Mööööp! Disqualifiziert! :-D Obwohl solche "Besuch uns Zuhause-Einladungen" hier ganz normal sind, er wirklich nett war und auch sein Sohn mit Familie auf der Farm wohnt…ich denke, ich werde mir woanders einen Kuh-Euter suchen. =)

Kathis Erkenntnis des Tages:

  • Australische Nutella ist gut, kommt aber nicht an die italienische ran!

#12 - Eine Dusche in der Karibik

25. März 2017

Was war das für ein Ausflug: Die Cathedral Cove ist zurecht auf so vielen Postkarten zu sehen, Karibik-Feeling pur. Der Fußweg war zu weit, also rein ins Wassertaxi. Neben mir saß Jack aus Australien. Sein Motto: Life sucks! Alles langweilig, deshalb macht er jetzt mal Urlaub. Wir hätten unterschiedlicher kaum sein können. :-D Während ich mich über die Sonne, das Meer und diesen amazing Felsen im Wasser gefreut habe, kam von ihm nur ein nüchternes: "it´s just a rock!“. Als ich mich dann mit Klamotten in den Wasserfall gestellt habe, war ich nur noch die "crazy German“. Ich war nass von oben bis unten (weißes Top, 100 Punkte!) und habe dann meinen Müsliriegel am beach gegessen. Danach war ich wet und sandy, aber voll zufrieden. =) Jack und ich hatten dann noch ne wirklich nette Plauderrunde und es gab trotz oder gerade wegen unserer so unterschiedlichen Ansichten viel zu lachen. =) Für mich ging es dann weiter Richtung Norden am beach entlang, über Whangapoua nach Coromandel. Habe direkt am Meer übernachtet und hatte auch dort bestes Unterhaltungsprogramm: Ich schlürfe meine Limo im Campingstuhl, direkt vor mir zwei Franzosen in Looney-Tunes-Boxershorts, bewaffnet mit Messern auf der Suche nach Muscheln fürs Abendessen. Das war großes Kino! :-D Gefunden haben sie nichts, ich denke ja, es lag an der Unterwäsche. Ich frage mich langsam, ob es hier irgendwo auch Frauen gibt?

Kathis Erkenntnis des Tages:

  • Flip Flops tragen in der Sonne? Bad idea! Meine Füße sehen aus, als wäre mir nach 2/3 die Bräunungscreme ausgegangen.

#13 - Lahme Schnecke kriecht gen Norden! =)

30. März 2017

Nach ein paar Übernachtungs-Stops an wunderschönen leeren Stränden und einem sehr netten Abendessen mit einem Kiwi-Ehepaar, bin ich endlich in Paihia gelandet. Von hier aus wollte ich eigentlich einen Ausflug zum Cape Reinga machen, dem Zipfel der Nordinsel. Hatte gesundheitlich allerdings zwei bad days, die angebotenen Tagestouren waren deshalb für mich leider nicht drin. Aber dann gab´s action beim Parasailing - das war ziemlich cool, grandiose Aussicht. Jack, der Australier war auch mit am Start. Eigentlich wollte der ja eher Richtung Süden reisen, war dann aber doch "ganz zufällig“ auch in der Gegend. Naja, verständlich: Wer einmal im Team Sonnenschein mitgespielt hat, der will halt nicht mehr zurück ins Team Gewitterwolke! ;-) Er schreibt mir jeden Tag! Ich bin mit der Fähre nach Russell geflüchtet. ;-) Ein wunderschönes kleines Örtchen in den Bay of Islands. Hier sind überall kleine Inseln und noch schönere Buchten zum Plantschen. War auch kurz Bummeln in den schnuckeligen Läden am Hafen. Deshalb war um 13.30 Uhr mein Akku für den Tag leider auch schon wieder aufgebraucht…und der Camping-Platz riesig! Damn! Dean hat mich mal wieder gerettet und war als zuverlässiges Toiletten-Shuttle im Einsatz. :-D Hey, und ihr werdet es nicht glauben: Hatte doch tatsächlich eine alleinreisende Camping-NachbarIN. Tamara aus Österreich. Wir waren abends am Hafen was trinken und haben uns sehr gut verstanden. Unser Fazit: Sollten wir jemals auswandern, das Land steht fest! =)

Kathis Erkenntnis des Tages:

  • A chocolate brownie a day keeps the doctor away! =)

#14 - I DID IT!!!

04. April 2017

Es ist passiert: What a happy day! Ich habe eine Kuh gemolken! Auf einer Bio-Farm in Mangawhai! Und es war großartig! =) Klar, es war nicht so romantisch wie ich mir das immer vorstelle… auf ner Weide mit Eimer, Höckerchen und Heidi-Outfit nachmittags im Sonnenschein. Aber melken 2.0 war auch echt ein Erlebnis: Euter waschen, trocknen, anzapfen, Milch Marsch! Es gab ein paar Diven, die um sich getreten haben, dazu viele nasse, wedelnde Kuhschweife in meinem Gesicht. Aber Kuhflüster-Kat hat am Schluss auch die größte Zicke leergepumpt. ;-) Als Andenken gab es eine, nunja, undefinierbare grün-braun-strohige Masse, die ich an den Armen und im Gesicht kleben hatte. Awesome! :-D Nach dieser Aktion hat es mich natürlich körperlich zerlegt, aber das war es definitiv wert. Ansonsten waren auch die letzten Tage sehr erlebnisreich: Ich war in einer echt beeindruckenden Glühwürmchen-Höhle, habe bei einem lokalen Rugby-Spiel zugeschaut, meine Füße im Wasserfall gebadet und den größten Kauri-Mammut-Baum Neuseelands bestaunt. Achja, und so eine Art Messi-Haus mal live zu sehen…das war auch ein Erlebnis. Hilfe! So, noch zwei Tage, dann muss ich Dean schon zurückgeben. Der Gute hat sich einen Steinschlag eingefangen. Wir hoffen, dass die Scheibe noch hält. =) Und dann brechen schon die letzten finalen Tage in Auckland an. Verrückt, wo ist die Zeit hin?

Kathis Erkenntnis des Tages:

  • Wenn du gemütlich am Strand liegst und die große Welle kommt, dann rettet dich ein panisches "Oh Fuck” auch nicht mehr! :-D

#15 - Road impression

08. April 2017

Musste vor zwei Tagen schweren Herzens Dean abgeben, mein Roadtrip ist over! Es war schön mit Dir, Dean! ;-) Hier mal kurz zwischenrein ein awesome Pic von der Straße, das ich euch nicht vorenthalten möchte. Muss echt sooo oft anhalten. :) Bin aktuell in Auckland und melde mich nochmal vor dem Abflug.

#16 - Big final in Auckland

09 April 2017

Jetzt bin ich wirklich schon wieder im Flughafenhotel. Hier hat alles angefangen und genau hier hört es heute auf. 8 Wochen, 50 Sonnentage, 1 Glas Nutella - die Neuseeland-Rentner-Tournee-2017 war auf jeden Fall ein voller Erfolg! =) Rund 3.500 km war ich mit Bert und Dean unterwegs, zum Abschluss habe ich 4 Tage in Auckland verbracht, in einem sehr schönen Apartment direkt in der city. Leider gab es unvorhergesehene Probleme: Super steile Straßen! Habe gepumpt wie ein Maikäfer und geflucht. Meine Beine sind im Eimer. So gar nicht rentnerfreundlich diese Stadt! :-D Habe es dennoch zum Skytower und zur Dolphin-Safari geschafft. Und zum Abschluss gab es nochmal einen lecker Decaf-Latte am Hafen - natürlich bei strahlendem Sonnenschein. =) Ich werde dieses Land vermissen, das steht fest. Die Menschlichkeit der Kiwis und das große Vertrauen, das sie selbst wildfremden Leuten entgegenbringen…das ist wirklich beeindruckend. Hier ist die Welt echt noch in Ordnung. Und von der amazing Landschaft brauch ich ja gar nicht erst anzufangen. ;-) Aber natürlich freue ich mich auch wieder auf die Heimat. Vor allem auf mein Bett, anständiges Essen und am allermeisten natürlich auf euch! =) Jetzt wäre da nur noch diese kleine Hürde der 30h-Rückreise. Ich denke, ich werde mich einfach mit den Resten meiner Reiseapotheke wegbeamen. Werde ja eh im Rolli durch die Gegend gefahren. Und dann sehe ich auch ein bisschen querschnittsgelähmter aus! Guter Plan! =) Ich bedanke mich für eure Aufmerksamkeit und sage "ka kite ano" (bis bald)!

Kathis Erkenntnis des Tages:

  • Was nehme ich von dieser Reise mit? Super viele Erlebnisse und Eindrücke, gebräunte Haut, mindestens zwei Kilo mehr auf den Rippen und natürlich eine noch jungfräuliche australische Nutella für meine Sammlung. =)

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Kommentare

  • Sabrina vor 1 Jahr

    Hey Kathi

    Ich muss fast weinen beim lesen. Das ist so toll. Ich bin auch erkrankt und 22 und träume von so einer Reise.
    Ganz toll

    Eine Frage hätte ich. Warst du bei den Ausflügen immer Symptom frei? Sprich hast dich ausgeruht und die Symptome ausgestanden und erst als sie weg waren hast du wieder etwas gemacht?

    Ganz liebe Grüße

    • Kathi vor 1 Jahr

      Liebe Sabrina,
      ich war damals bei Ausflügen nicht immer symptomfrei, sonst hätte ich kaum was gesehen. ;-) Aber wenn es zu viele wurden bzw. sie zu stark wurden habe ich wirklich einen break gemacht und abgewartet bis sie abklingen.
      Ich wünsche Dir, dass Du Dir Deinen Traum irgendwann erfüllen kannst.
      Keep Going! ;-)
      LG Kathi